Rechtsanwalt und Notar a.D. in Bensheim
Hans L. Blechner
Fachanwalt für Steuerrecht und Erbrecht

100% Schadenersatz trotz Teilschuld

Sie tragen eine Teilschuld an einem Verkehrsunfall und können trotzdem 100% Schadenersatz realisieren; wie geht das?

Häufig kommt es vor, dass die Haftpflichtversicherung des Unfallgegners, trotz vermeintlich eindeutiger Schadenverursachung durch den Gegner, einen Teil des eigenen Sachschadens nicht reguliert.

Hier wird dann durch die Haftpflichtversicherung des Gegners die sogenannte (verschuldensunabhängige) Betriebsgefahr eingewandt, die in der Regel mit 20-33% in Ansatz gebracht wird, oder man hat tatsächlich eine Teilschuld am Zustandekommen des Verkehrsunfalls.

Trotz dieser Situation können Sie 100% Schadenersatz erhalten durch eine Abrechnung mit der gegnerischen Haftpflichtversicherung und der eigenen Vollkaskoversicherung

Der Vorteil bei dieser sogenannten quotenbevorrechtigen Abrechnung gem. § 86 VVG liegt darin begründet, dass in der Regel der Selbstbehalt bei der Vollkaskoversicherung liegt, kommt eine Prüfung in Frage, ob der Selbstbehalt entfällt.

Liegt der Selbstbehalt der eigenen Vollkaskoversicherung bei z.B. 300 EUR, der Gesamtschaden bei 5.000 EUR und muss die gegnerische Haftpflichtversicherung z.B. nur zu 25% haften, so muss sie die 1.250 EUR zahlen. Dieser Betrag liegt oberhalb der eigenen Selbstbeteiligung bei der Vollkaskoversicherung von 300 EUR, somit entfällt die Selbstbeteiligung.

Sogar bei einer Selbstbeteiligung von 1.000 EUR im Bereich der Kraftfahrzeug Vollkaskoversicherung entfällt dieser Selbstbehalt im obigen Beispiel, weil die gegnerische Kraftfahrthaftpflichtversicherung eben 1.250 EUR zahlen muss.

Wenn in der Vollkaskoversicherung ein sogenannter "Rabatt-Retter" abgeschlossen wurde, wird der Vollkaskoversicherungsvertag durch die Abrechnung mit der Vollkaskoversicherung auch nicht belastet, d.h. es erfolgt keine Hochstufung.

Wenn in der Vollkaskoversicherung eine Hochstufung wegen der Abrechnung erfolgt, so kann diese Hochstufung bei der gegnerischen Kraftfahrthaftpflichtversicherung in den Umfang geltend gemacht werden, in dem die Versicherung Zahlungen leisten muss.